Literatur
ARKTISCH-ALPINER-PFLANZENGARTEN OT Gorschmitz Nr. 14
D – 04703 Leisnig / Germany
März, 2000-03-06
Zur Geschichte der SALIX IVIGTUTIANA (2.überarbeitete Auflage im Selbstverlag) „Buch mit sieben Siegeln“. Wird der Gattungsname SALIX genannt, gehen die Köpfe Weiden ,mit dem botanischen Namen SALIX, sind für viele Pflanzenliebhaber noch ein der Besucher automatisch nach oben um in „luftiger Höhe“ die Zweige dieses Gehölzes „Erspähen“ zu können. In Wirklichkeit gibt es eine Vielzahl von Weiden, die kleinstrauchig oder gar zwergig kriechend sind. Zu diesen „Vertretern“ gehört die Salix ivigtutiana , die wohl mit zu den niedrigsten Gehölzen der Welt zählt.
Nur wenig Literatur steht uns zur Erforschung der Geschichte und der Existenz dieser Weide zur Verfügung. Aus dem zusammengetragenen Material und den Aussagen einiger hier noch genannter Personen, kann ich wie folgt beginnen: Im Jahr 1883 findet eine schwedische Expedition unter dem Leiter Herrn Aug Berlin in sw.- Grönland bei dem kleinen Ort Ivigtut eine zwergige Weide, die vorerst als die damals bereits bekannte Salix uva ursi erkannt wurde. Der schwedische Botanist Lundström ent- deckt jedoch einige Unterschiede zu Salix uva ursi und benennt diese nach dem Fundort IVIGTUT.
Aus Lundströms Beschreibung der Salix ivigtutiana ist auszugsweise folgendes zu entneh- men : Niedergedrückter Strauch, gefingerter Wuchs, Blätter 5-10 mm lang, 2-3 mm breit, selten glattrandig, netzartige Nerven.
Im Jahr 1924 ist wieder eine schwedische Expedition unter Leitung einer Frau, (Name leider nicht mehr existent) nach sw-Grönland unterwegs. Die gesuchte S. ivigtutianawird nach der Beschreibung von Lundström wieder gefunden und einige Exemplare für Forschungszwecke vom Standort entnommen. Da der Ort Ivigtut damals wie heute nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist, (heute per Hubschrauber), war diese Expedition mit kleinen Booten unterwegs. Nach einer Überlieferung passierte nun folgendes: Das Boot der Expeditionsleiterin kenterte, sie ergriff schnell einige für sie wichtige mitgenommene Pflanzen, und erreichte mit der Salix ivigtutiana im Mund schwimmend das Ufer.
Ein Teil dieser Pflanzen gelangte danach in den Botanischen Garten Kopenhagen. Im Jahr 1930 suchte eine dänische Expedition in Ivigtut vergebens nach dieser Salix. Seither gilt diese als am Wildstandort ausgestorben. Was könnten die Ursachen für das plötzliche Verschwinden sein ? Hatte es etwas mit dem Abbau von verschiedenen Bodenschätzen in dieser Region zu tun, waren es bestimmte Umwelteinflüsse oder hat man diese Salix einfach nicht mehr gefunden? Über Jahre hinweg wurde die S.ivigtutiana im Botanischen Garten Kopenhagen kultiviert. Im Jahr 1978 erhielt der leider schon verstorbene Herr Walter Meusel für seinen Arktisch-Alpinen–Garten in Chemnitz einige cuttings vom ehemaligen Leiter des Botanischen Gartens Kopenhagen, Herrn Olsen. Der Gärtner, Komponist und Schriftsteller Walter Meusel hatte das richtige Feingefühl für diese kleine Salix und konnte in seiner Pflanzenanlage einen guten Bestand er halten und vermehren. Im gleichen Zeitraum bekamen einige andere Pflanzenfreunde in Dänemark von Herrn Olsen Steckhölzer dieser Weide, in nur wenigen Gärten ist diese aber noch„am Leben“.
Vom Arktisch – Alpinen – Garten Chemnitz wurden Exemplare an die Forstliche Fakultät Brno in der damaligen CSSR weitergegeben. Leider sind die Pflanzen dort nicht sehr langlebig. Im Februar 1989 erhielt ich von Chemnitz ein 5 mm langes Steckholz, dessen Bewurzlung mir gelang und sich bis zum Herbst 1999 auf einen Durchmesser von 40 mm entwickelte. Leider sehen in diesen ersten Märztagen einige ältere Triebe abgestorben aus, dafür sehen zwei weitere Salix ivigtutiana an anderen Stellen in der Pflanzenanlage sehr gut aus. In den Jahren der Kultur dieses Winzlings in unserem Garten konnten etwa 10 Stück davon vermehrt werden. So sind über „Umwege“ zwischenzeitlich Exemplare in den Bot.Garten Bonn, Raykjavik und Jekaterinburg (Ural) angelangt. Andere Pflanzenliebhaber konnten nach angemessener Wartezeit ebenfalls diese Salix erhalten. Man schätzt ein, dass es z.Z. etwa 40 Gärten auf der Welt gibt, die diese spezielle Art noch kultivieren. Der eigentliche „Ausgangsort“ der Salix ivigtutiana, der Botanische Garten Kopenhagen, besitzt sie nicht mehr. Diese Abhandlung wäre ohne die Mithilfe folgender Institutionen und Personen nicht möglich gewesen, wofür ich mich hiermit recht herzlich bedanke !
Herr Johannes Batke D – Braunschweig
Herr Bent Fredskilt, DK – Botanisches Museum Kopenhagen
Herr H. Jensen
Herr Stefan Jessen D – Chemnitz DK – Thisted
Herr Walter Meusel D - Chemnitz
Herr J. Müller D – Chemnitz Literatur : Berlin , Aug., 1884 : Kärlväxter, insamlade under den svenska > expeditionen till Grönland 1883 Unsere Salix Sammlung ist bei freiem Wetter von März bis Oktober zu besichtigen
( Do., Fr. und Sonnabend )
Siegfried Geißler